SEO / Suchmaschinenoptimierung braucht kein Mensch

In der IT gibt es so viele Technologien, dass man sich unmöglich mit allen richtig auskennen kann. Leider ist genau das ein Einfallstor für Amateure und Pseudo-Experten, die einem Fachwissen verkaufen wollen, jedoch selbst nur mit Halbwissen punkten können.

Eines meiner Lieblingsgebiete, welches besonders von diesem Problem betroffen ist, nennt sich SEO – search engine optimization, zu gut Deutsch Suchmaschinenoptimierung. Es gibt tausende Firmen, die einem weismachen wollen, dass nur sie die eigene Seite ganz nach oben in den Suchmaschinen bringen würden. Zum einen geht es dabei fast immer nur um Google, zum anderen, und das ist der lustigste Part, basiert das Ganze nur auf Vermutungen. Würden die Technologien der Suchmaschinen öffentlich bekannt sein, könnte jeder sehr leicht ganz nach oben rutschen. Glücklicherweise ist dem nicht so – die betroffenen Suchmaschinen wären in kürzester Zeit unbrauchbar.

Was ist denn daran verwerflich, möglichst weit oben stehen zu wollen? Natürlich nichts. Viele Geschäfte würden nur halb so gut funktionieren, wenn sie nicht gut gelistet werden würden. Mich stört einfach nur die Art und Weise, wie dies geschieht. Doch bevor man darauf eingeht, sollte man sich erstmal anschauen, warum es überhaupt Suchmaschinen gibt und warum diese überhaupt die Ergebnisse in bestimmten Reihenfolgen sortieren.

In der Anfangszeit des Internet gab es nichts und doch alles. Es gab zwar keine Suchmaschinen, jedoch bereits viel Content. Nur musste man wissen, wo dieser lag. Einer der Hauptgründe, warum dies gelang, waren die Hyperlinks, mit denen man auf andere Internetseiten verlinken konnte und noch immer kann. Mit der Zeit entstanden sogn. Internetportale, die letztendlich nur sortierte Listen mit Links darstellten. Sie waren moderiert, was zumindest eine gewisse Qulität brachte.

Mit der Zeit entstanden dann die ersten echten Suchmaschinen, die nicht manuell sondern automatisch Linklisten anlegten. Das Prinzip hinter den Suchmaschinen hat sich bis heute nicht verändert – und ist sehr simpel: Die Suchmaschine hat einen Crawler, der eine Liste von vorgegebenen Internetseiten besucht. Auf diesen sucht er nach Links zu anderen Seiten, um seine Liste zu erweitern. Parallel dazu schaut er sich die Wörter auf jeder Seite an und ordnet diese den Links zu. Wenn ich nun über die Suchmaschine nach etwas suche, vergleicht das System meine Suchwörter mit seinem Index. Je mehr meiner Suchwörter auf einer Seite in höherer Anzahl vorkommen, desto sinnvoller erscheint dieses Ergebnis und rückt in der Liste nach oben. Nach diesem Prinzip arbeiteten die ersten Suchmaschinen. Schnell wurde jedoch klar, dass man diese Kriterien schnell alleine manipulieren kann (z.B. indem man seine Seite mit Keywords zupflastert).

Also wurden zusätzliche Parameter eingeführt – ab dieser Stelle beziehe ich mich nur noch auf Google – die die Qualität eines Links beeinflussen sollen. So wird nun z.B. beachtet, wie viele fremde Seiten auf diese Seite linken – dies sollte ja eigentlich bedeuten, dass dieser Content vielen Leuten geholfen bzw. gefallen hat. Leider wurde auch hier wieder versucht zu tricksen und es entstanden die Link-Tausch Aktionen. Also wurden die Kriterien erweitert: erstens hat der Rank der verlinkenden Seite einen gewichtenden Einfluss auf den eigenen Rank und zweitens werden Links ignoriert, die in beide Richtungen gehen. D.h. sobald zwei Seiten Links auf die jeweils andere Seite haben werden diese Links beim Ranking ignoriert.

So, das zum groben Hintergrund, wie eine Suchmaschine in etwa arbeitet. Nun sollte man ja eigentlich meinen, dass dieses System ganz gut ohne Einflussnahme funktionieren sollte. Tut es aber nicht. Es gibt nämlich immer wieder Seiten/Firmen, die meinen, dass ihr Content wertvoller sei als der anderer Seiten/Firmen. Und genau daraus entstand die ganze SEO Problematik.

SEO scheint doch aber nur eine logische Konsequenz zu sein, oder? Ja, da stimme ich voll zu, jedoch finde ich zum einen die Art und Weise problematisch, zum anderen, welche Seiten damit nach oben gepusht werden. Natürlich kann ich an dieser Stelle nur einen kleinen Einblick in die Thematik geben, da ich mich – aus meiner Abneigung heraus – nur oberflächlich damit beschäftige. Aber schauen wir uns doch einfach mal ein paar Methoden an:

Keywords
Keywords spielen eine zentrale Rolle bei SEO. Das geht soweit, dass Redakteure bzw. Presseleute Artikel schreiben und anschließend so ein SEO-Fritze drüber geht und den Text mit (angeblich) besseren Wörtern schmückt, die dann zu einem besseren Rank führen sollen. Dabei kommen Keywordtools zum Einsatz, die den zu bearbeitenden Text scannen und dann Wörter anzeigen, die da noch mit reinsollten. Warum man noch einen von einem Redakteur verfassten Text weiter bearbeiten sollte, lass ich mal dahingestellt.

Schattenseiten
Besonders viel Arbeit, dafür aber auch scheinbar großen Erfolg bringen sogn. Schattenseiten. Nehmen wir an, ich betreibe einen Onlineshop, über den ich Blumen verkaufe. Um meinen Rank zu stärken, ziehe ich mir parallel unter einer anderern Domain ein Forum hoch, welches sich mit Blumen aller Art beschäftigt. Ich versuche, eine Community aufzubauen und beteilige mich auch aktiv darin. Wenn die Seite gut läuft (also stark frequentiert ist), setze ich einzelne Links im Forum auf meinen Online-Shop. Und siehe da, mein Rank steigt sehr schnell. Wenn ich Glück habe, kann ich die hohen Besucherzahlen des Forums mittels Werbebannern auch noch monetarisieren.

Link-Kauf
Die älteste Form von Seo sind die Linkkäufe. Dabei bezahlt man einen Seitenbetreiber, damit dieser einen gut sichtbaren Link zur eigenen Seite platziert. Falls die Seite des Betreibers selbst einen guten Rank hat, profitiere ich doppelt davon: ertens wird mein Rank dadurch angehoben und zweitens kommen über den gut sichtbaren Link mehr Besucher auf meine Seite.

Wie man sieht, stellt SEO kein Hexenwerk dar, aber es führt zu einem: Verfälschung des Contents. Wenn ich meine Texte und Links nur danach ausrichte, möglichst hoch geranked zu werden, dann stimmt doch etwas nicht.

Was man mich allerdings am meisten nervt, sind wie gesagt bestimmte Seiten, die in den oberen Rängen gar nichts zu suchen haben: Vergleichsportale, Foren die nur die Fragen anzeigen, die Antworten darauf jedoch mit einem bezahlten Login absichern und weitere Suchmaschinen, die meinen Suchbegriff auch noch einmal suchen. Wenn ich im Internet nach einem Gerät suche oder eine Hilfestellung haben möchte, dann sollen mir gefälligst die relevanten Seiten angezeigt werden. Durch die unzähligen SEO Praktiken nimmt das immer mehr ab. Konnte man vor einigen Jahren noch problemlos schnell zum Ziel kommen, muss man mittlerweile ein geübtes Auge haben, den richten Content in der Google Ergebnisliste zu finden.

Was man dagegen tun kann? Ich habe keine Ahnung. Alle Seitenbetreiber sollten sich wieder darauf besinnen, wie eine Suchmaschine funktioniert und vor allem, was eigentlich der treibende Motor hinter dem Netz ist: guter Content. Gäbe es nur noch Vergleichsportale und Shops, wäre das Internet nicht mal ansatzweise interessant für einen Großteil der Menschen, die es täglich nutzen.

  1. Die Description ist zu kurz und der URL ist nicht so schön für Sumas :D .

    Ansonsten hast Du Recht, auch wenn klar sein muss, dass es definitiv nicht ohne SEO geht. Zumindest wenn man den Traffic über Sumas braucht.

    Was viele dann aber vergessen, ist, dass es eben nicht um Traffic als solchen geht, sondern darum dass eine Website konvertiert. Da sind 100 Besucher die zielgerichtet kommen wertvoller, als 1000, die aufgrund von Optimierungsmaßnahmen aufschlagen.

    Man sollte dies aber nicht unbedingt unter “Halbwissen” einstufen, sondern eher unter mangelnder Erfahrung. Zum Onlinemarketing gehört die offline Arbeit eben auch dazu – auch wenn viele SEOs dies gerne ignorieren.

    Auf das aus Halbwissen solides Zweidrittelwissen werde…

  2. Ok, aber das sagte ich ja im Text – es gibt sicherlich Seiten, die ohne SEO blöd da stehen würden.

    Deine Ausführung zum Thema zielgerichtete User stimmt natürlich völlig und die habe ich so nicht bedacht – danke für den Hinweis.

    Das Halbwissen war auch nicht auf alle bezogen. Aber auch du wirst sicher leute kennen, die 3 SEO Tutorials gelesen haben und nun meinen, dass sie die ganz großen Optimierer sind – die meinte ich. Und das ist nicht richtig. SEO wird meiner Meinung nach sehr überbezahlt und ist größtenteils eine Leistung, die man selbst erbringen kann.

    Und am allerwichtigsten ist: es zählt der gute Content. Ich habe für meine Internetseiten noch nie irgendendwelche SEO Techniken bewusst verwendet, trotzdem werde ich scheinbar gut bei Google gelistet – über die Hälfte der Besucher kommt über Google. Und das hat einfach damit zu tun, dass ich viel und auch relativ qualitativen Content erstelle. Und genau das sollte von den Suchmaschinen honoriert werden.

  3. Würde ich sofort so unterschreiben. Leider reicht guter Content alleine aber nicht aus. Ohne ein wenig “Nachhilfe” sind vernünftige Rankings utopisch.

    Zudem muss man unterscheiden zwischen Internetaffinen Seitenbetreibern und Unternehmen, die ihre Website einfach nicht als Kernkompetenz ansehen. Erstere können natürlich vieles selbst machen. Für Unternehmen macht es absolut Sinn, eine (wenn auch manchmal teure) SEO Agentur zu beauftragen.

  4. Nachhilfe ok, aber das nicht dauerhaft.

    Nein, eben nicht: warum muss jedes Unternehmen, was seine Seite sogar nur halbherzig betreibt, weit oben stehen? Mach für mich überhaupt keinen Sinn. Und was bringt es mir, wenn ein Malermeister aus Berlin per SEO extrem hoch geranked wird und somit ganz oben gelistet wird, ich aber einen in München suche? Darauf wollte ich eigentlich hinaus. Genauso eben diese ganzen angesprochenen Vergleichsprotale – was soll das?

    Sorry, das Thema ist echt ein wunder Punkt bei mir ;)

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