Akku nur noch mit halber Kapazität? Hier wird geholfen!

Gestern fand ich im Blog von Chapi eine Diskussion, wann man einen Akku vom Macbook tauschen sollte bzw. wie lange diese eigentlich so halten. Nach über 300 Ladezyklen war sein Akku bereits auf die halbe Kapazität geschrumpft. Was eigentlich nicht sein kann und darf. Da scheinbar die relativ leichte Lösung dieses Problems nicht so geläufig ist, will ich diese hier einmal kurz vorstellen.

Anders als die altbekannten Nickel-Cadmium-Akkus haben Lithium Ionen Akkus den großen Vorteil, nicht dem sogn. Memory Effekt zu erliegen. Dieser Effekt trat schnell auf, wenn man Akkus nicht erst nach dem Entladen (nicht vollständiges Entladen) in das Ladegerät steckte, sondern schon eher. Dadurch kam es dann zu einer “Überladung”, da das Ladegerät davon ausging, dass der Akku leer war. Das dies nicht gerade für die Vitalität des Akkus förderlich war, klingt dann wohl logisch.

Lithium Ionen Akkus haben den Vorteil, intelligent zu sein. Erstens sind die Ladungen in sogn. Zellen unterteilt, welche einzeln abgerufen aber auch geladen werden können. Zusätzlich verfügen sie über eine integrierte Steuerung, die den Memory Effekt verhindern soll, indem nur die Zellen geladen werden, welche auch leer sind. Das alles funktioniert auch wunderbar, nur kommt es scheinbar zu Fehlern in der Logik, wenn man oft z.B. bei 90% Akkustand gleich wieder das Netzteil ansteckt. Diesen Fehler begeht man leider automatisch, wenn man z.B. das Macbook in den Standby versetzt und das Netzteil absteckt, um später das ganze wieder anzustecken und das System wieder zu starten. In der Standby Zeit wurde trotzdem Strom verbraucht, wenn auch wenig. Dieser Strom fehlt nun jedoch, also fängt das Netzteil wieder an zu laden.

Mac OS bzw. das Macbook ist zumindest so schlau und lädt erst ab einem Akkustand von 95%. Doch leider kann man den “modernen Memory Effekt” damit auch nicht verhindern. Es gibt aber einen simplen Trick, um das Ganze rückgängig zu machen:

Man lässt zuerst das Macbook in den Akku-Betrieb gehen, kann aber trotzdem normal damit weiter arbeiten. Wenn die Akkuladung ca. bei unter 3% angelangt ist, fährt das Macbook in der Standardeinstellung in den Standby. Und da belässt man es auch. Bis die Standbylampe nicht mehr leuchtet. Das macht sich am besten über Nacht. Wenn die Lampe aus ist, steckt man das Netzteil wieder an und kann normal weiter arbeiten. Sobald der Akku wieder geladen ist: Netzteil ab und das ganze Spiel von neuem. So trainiert man den Akku langsam aber sicher wieder auf annähernd volle Kapazität.

Zauberrei? Nein, es ist ein einfaches Prinzip. Wenn das Macbook läuft, muss die Akku-Logik eine bestimmte Spannung und genügend Strom zur Verfügung stellen. Je nach Auslastung kann dieser Wert schwanken: Schreibt man etwa nur einen Text im Editor, verbraucht das logischerweise weniger Strom als wenn man z.B. ein grafisch aufwändiges Spiel spielt. Das bedeutet, dass viel Strom in kurzer Zeit zur Verfügung stehen muss. Das ist ja auch die Hauptdisziplin von Akkus, im Gegensatz zu Batterien. Kommt es nun zu einem Fehler in der Logik des Akkus bzw. verliert dieser die Übersicht, welche Zellen nun eigentlich geladen sind, kann er natürlich nicht mehr auf alle Zellen zurückgreifen. Vor allem, wenn viel Strom gebraucht wird, führt das schnell dazu, dass er nicht mehr genug Zellen findet und somit die Kapazität des Akkus scheinbar kleiner ist.

Wenn man nun den Akku leer laufen lässt, dann wird in dieser Zeit ja noch immer relativ viel Strom verbraucht. Das Gerät geht in den Standby und versucht dadurch, die aktuellen Informationen bzw. geöffneten Programme und Dateien zu bewahren. Durch den Wechsel in den Standy passiert aber noch etwas anderes: Das Gerät braucht viel weniger Strom (die Faustregel ist hier: pro Stunde 1% Akkuverbrauch). Die Akkulogik greift nun auf weniger Zellen gleichzeitig zu und kann somit auch einzelne Zellen ansprechen. Das bedeutet, es werden nun auch die Zellen entladen, die vorher nicht mehr verwendet werden konnten. Die Logik weiß nun: aha, diese Zelle ist nun auch leer –> beim nächsten mal laden. Durch die mehrmalige Anwendung werden so nach und nach alle “verlorenen” Zellen bzw. eine Vielzahl davon “gefunden” und die Kapazität steigt. Das ist schon der ganze Trick.

Das Tolle ist, dass er nicht auf Macbooks beschränkt ist, sondern eigentlich auf alle Lithium Ionen Akkus zutrifft. Sprich, man kann so ziemlich alle aktuellen Akkus wieder tunen. Aber: Wenn sie einmal tiefenentladen sind, kann man da auch nicht mehr viel machen. Das passiert z.B., wenn man Akkus sehr lange unbenutzt liegen lässt.

Ich muss hinzufügen: Ein großteil dieses Textes basiert auf meiner Erfahrung und meiner Vorstellung des Vorgangs. Ob das technisch nun wirklich so ist, oder ich hier nur Bullshit erzähle, kann ich nicht wirklich beurteilen. Fakt ist aber: Es funktioniert. Der Akku meines alten Macbooks hat 207 Ladezyklen hinter sich und seine Kapazität liegt gerade bei 96%. Ich muss dazu sagen, dass ich den Trick hier schon eine Weile nicht mehr angewendet habe, also ist da noch mehr drin.

Allgemein sei noch gesagt: Man sollte diese Vorgehensweise alle 2 Monate einmal anwenden, um den Akku einfach mal vollständig leer zu machen und anschließend wieder frisch zu laden. Das schont die Elektronik und hält das Teil fit.

Ich freue mich auf Kommentare mit Erfolgsmeldungen, aber natürlich auch mit Hinweisen, falls ich hier was falsches erzählt habe…

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