
So schön der einst von S. (Planetenname) geprägte Satz auch war, die Nachwirkung ist fatal. Ging es an dieser Stelle nur um bestimmte Technikprodukte, wendet ein Großteil der Bevölkerung den Spruch auf ihr ganzes Leben an. Dabei muss man strikt zwischen sparen und Geiz unterscheiden. Bei den wenigsten Leuten ist es allerdings noch ersteres…man kann mittlerweile von der Generation Geiz sprechen.
Aber warum ist Geiz denn nun nicht geil? So einfach kann man diese Frage nicht beantworten, denn das Prinzip hinter dem Slogan ist ja, dass man weniger für einzelne Sachen zahlt, dafür dann aber mehr kaufen kann – man könnte es in diesem Fall als “Mengenrabatt” sehen. Leider ist bei den meisten Leuten nur der hintere Teil dieses Wortes hängen geblieben. Wenn aber alle nur noch Dinge am liebsten geschenkt haben wollen, wie sollen dann andere Leute von diesen Produkten leben können?
Ganz besonders hart trifft das z.B. beim Handy-Apps Markt zu. Um da einen tollen Satz, den ich vor kurzem im Netz aufgeschnappt habe, zu zitieren (sorry, hab keine Quelle mehr): “Menschen sind bereit, im Starbucks 3-5€ für einen Kaffee auszugeben, 79 Cent für eine iPhone App ist ihnen allerdings zu teuer.”. Und das bringt es vollkommen auf den Punkt. Die Menschen können scheinbar nicht mehr erkennen, was wieviel wert sein sollte. Die Verhältnisse sind einfach verschoben. Und es wird immer schlimmer. Wenn man aber mal bedenkt, dass gerade Softwareentwicklung ein ziemlich langer und aufwendigerer Prozess sein kann, und es dann trotzdem nicht zu würdigen weiß, dann verstehe ich die Welt nicht mehr. An dieser Stelle muss ich aber ehrlich sein: Bis zu diesem Zeitpunkt war ich genauso drauf. Ich konnte mir nicht vorstellen, für eine Handy-App zu zahlen – gleichzeitig habe ich aber eigene Apps im Android Market und beschwere mich, warum niemand mein Zeug kauft. Jetzt mal ausgenommen davon, dass die Leute meine Programme einfach nicht mögen, denke ich trotzdem, dass auch die Geiz-Mentalität viel damit zu tun hat. Über 80% meiner Käufer sind nämlich Amerikaner, bei denen das Geld scheinbar etwas lockerer sitzt.
Aber sind wir mal ehrlich: Mittlerweile sind ganze Branchen vom Geizwahn abhängig. Besonders die Supermärkte kämpfen schon seit längerer Zeit mit dem Problem. Nicht umsonst kann man derzeit einen Liter Milch für 56 Cent kaufen – in dem Preis drin sind Futter, Miete, Unterhaltung, Lohn für den Bauern, Kosten der Molkerrei bzw. des Lieferanten plus seiner Marge, der Deckungsbeitrag des Supermarktes sowie auch dessen Marge. Unvorstellbar, dass da jemand noch etwas verdienen soll. Ja, mir ist bewusst, dass das Prinzip nur “in Masse” funktioniert, trotzdem kann man davon nicht reich werden. Dem Endverbraucher muss klar sein, dass einer in der Kette irgendwann anfangen wird, an der Qualität zu sparen, um seine Kosten zu drücken – was seine Marge größer macht. Ein völlig verständlicher Schritt. Diese Beispiele könnte man mit Butter, Eiern, Salat usw. fortführen. Man wird aber immer an den Punkt kommen, dass der Preis bereits viel zu niedrig ist. Neben der Qualität schlägt sich das auch auf das Personal nieder: nicht umsonst gibt es kaum noch Festverträge zu Gunsten von Teilzeit Jobs in dieser Branche – der Supermarkt spart eben an seiner Postition in der Kette.
Ok, genug rumgeheult – was ist die Lösung? Man sollte wieder verstärkt die Weisheit “Kaufst du billig – kaufst du zwei mal” beachten. Was bringt es mir, an jeder Stelle zu sparen, dafür aber minderwertige Produkte zu bekommen? Den kurzen Effekt, mehr Geld in der Tasche zu haben, den langen Effekt, meinem Körper nichts gutes zu tun. Wir müssen wieder anfangen zu überlegen “was würde ich für diese Leistung haben wollen?” – und das sind sicher nicht 5€ pro Stunde für’s Haare schneiden. Erst wenn man zu sich selbst sagen kann: Dafür würde ich das tun bzw. das herstellen, erst dann ist der Preis angemessen.
Wie gesagt, ich habe selbst sehr lange gebraucht, um zu dieser Erkenntnis zu kommen. Auch ist der Prozess noch nicht abgeschlossen und ich arbeite mich langsam nach vorn. Der erste Schritt in der Onlinewelt ist, dass ich Flattr verwende, um anderen zu zeigen, dass ich ihren Content wertschätze. Auch kaufe ich beispielsweise nicht die billigste Milch, sondern die bauerneigene Marke, damit sie ein bisschen mehr Marge abbekommen. Der Preisunterschied beträgt 20-30 Cent, die ich für sehr gut angelegt sehe. Wenn mehr Menschen nach diesen Prinzipien handeln würden, dann hätten wir schon eine beachtlich bessere Welt…