Ich bin traurig. Und das nicht, weil ich noch immer kein Internet habe, sondern, weil es so viele soziale Netzwerke gibt. Begonnen hatte die Reise für mich bei Myspace, anschließend kamen die Lokalisten. Alles ganz toll und ungewohnt, interessant und neu. Aber naja, irgendwie auch ziemlich umständlich designt.

Und dann kamen eigentlich fast zeitgleich meine Anmeldungen bei Twitter, meinVZ und Facebook. Alle 3 Netzwerke gingen schon eher in die Richtung, welche ich als soziales Netz bezeichnen würde. Wann jedoch der Wechsel zur jetzigen Nutzung vollzogen wurde, kann ich gar nicht mehr so richtig sagen: Fakt ist, die Hauptkommunikation mit meinen Freunden läuft mittlerweile zu einem großen Teil über diese Netze. Und ich finde es Klasse. Einen sehr großen Stellenwert nehmen dabei für mich die mobilen Versionen der Netzwerke ein. Ohne die würden mir die Accounts eigentlich nicht viel bringen. Denn so richtig interessant wird z.B. Twitter erst, wenn man von überall tweeten kann, noch ein Bild anhängt und somit von 0 auf 100 ganz viele Leute darüber informieren kann, was man gerade tut. Ja, das ist ziemlich eitel, aber es macht saumäßig viel Spass. Vor allem, wenn dadurch interessante Gespräche entstehen.
Und schon kommen wir zum ersten Problem: Welches Netz verwende ich denn? Tja, wie gesagt sind es bei mir zur Zeit 5 Netze, wobei der Hauptteil ganz klar über Facebook und Twitter läuft. Und dass es nicht nur mir so geht, zeigt die wachsende Zahl derjenigen, die langsam aber sicher bei Facebook hinzukommen. Man muss ganz klar sagen, dass Facebook derzeit die Nase vorn hat, wenn es um Usability, Geschwindigkeit und vor allem Funktionsumfang geht.
Und es wird leider immer lächerlicher, wie die VZ-Netze schön offensichtlich ein Feature nach dem anderen kopieren. Wo ich noch nicht einmal was dagegen hätte, würde es nicht so dilettantisch umgesetzt werden. Zum einen gibt’s da den “Buschfunk” – in Facebook-Deutsch eine “Statusmeldung”. Schön, dass man Statusmeldungen absetzen kann. Aber niemand, der diese Meldung liest, kann damit interagieren. Ich habe weder die Möglichkeit, explizit einen Kommentar dazu loszuwerden, noch kann ich einfach nur ein “gefällt mir” da lassen. Die Leute versuchen zwar, direkt selbst per Statusmeldung zu antworten, nur bringt das nicht viel, wenn viele Leute den Buschfunk nutzen. Denn dann rasseln die Nachrichten nur so durch und man übersieht die Antwort. Total blöd gelöst.
Genauso der Plauderkasten: Schreibt mich da jemand an, erscheint lediglich ein kleiner Brief rechts oben, den man einfach viel zu schnell übersieht. Facebook macht es da wesentlich besser mit der Chatleiste am unteren Browserrand. Die kann man eigentlich kaum übersehen. Lustigerweise gibt es nun auch “Apps” bei VZ. Wo die nur diese tollen Ideen her haben…man weiß es nicht. Diese Liste kann man immer weiter fortführen. Was nur wieder zeigt, wer an der Spitze steht.

Und nun stellt sich die Frage: Warum bin ich denn dann bei den restlichen Netzwerken angemeldet? Tja, weil leider ein Großteil meiner Freunde sich einmal bei studiVZ bzw. meinVZ angemeldet hat, und noch nicht so richtig die Vorteile eines Wechsels zu Facebook sieht. Wobei das kein Vorwurf ist. Die einen wollen diese neue Möglichkeit der Kommunikation gar nicht nutzen, die anderen sehen es (noch) als überflüssig an. Doch man merkt schnell: Ein Großteil der Leute, die bei Facebook dabei sind, nutzen die Funktionen rege, woraus ich schließe, dass sie gut angenommen werden.
Doch auch Facebook lebt nicht nur auf der Sonnenseite: z.B. die AGB-Skandale der Vergangenheit haben nicht unbedingt zum guten Image beigetragen. Überhaupt kein Verständnis habe ich aber für die derzeitige Debatte um die Freizügigkeit, mit der Facebook Informationen auch für nicht angemeldete User zugänglich macht, genauso aber auch die Crawler-Problematik bei studiVZ. Mir geht es nicht in den Kopf, warum sich Menschen darüber aufregen, dass ihre Informationen verbreitet werden und vielleicht auch für Leute zugänglich sind, die sie nicht erhalten sollten. Es erfordert nunmal einfach eine “Online-Kompetenz”, wenn man in dieser Welt unterwegs ist. Ich kann nicht Saufgelagefotos in ein soziales Netz stellen und mich dann beschweren, dass sie für meinen Personalchef sichtbar sind. Da muss man ganz klar das altbekannte “Buzzword” MENSCHENVERSTAND anbringen. Ich muss mir nunmal einfach überlegen, was ich mache, und nicht immer die Schuld bei anderen suchen. Man stellt solche Bilder ja auch nicht im Büro auf…
Doch welche Bedeutung haben diese ganzen Sachen denn nun für mich? Zum einen verwende ich auf meinem Handy zur Zeit 2-3 Programme, um neue Infos in meinen Accounts abzugrasen. Ziemlich nervig. Hinzu kommt, dass einige Leute genauso wie ich in mehreren Netzwerken gleichzeitig aktiv sind, was bedeutet, dass man deren Infos teilweise auch mehrfach vorgesetzt bekommt. Einen kleinen Lösungsansatz hat dazu Vodafone für die Android-Handys geliefert: Mit “Vodafone Update” kann ich zumindest schonmal alle Twitter-, Myspace- sowie die Facebook-Statusmeldungen sehen. Das Programm ist so intelligent, Tweets, die auch in Facebook erscheinen, zusammenzufassen. Somit gibt es keine doppelten Nachrichten, was schonmal eine kleine Erleichterung ist. Nur leider werden bei “Update” keine Bilder angezeigt, die in Facebook Nachrichten eingebettet sind. Also brauch ich trotzdem nochmal eine Facebook App, mit der ich dann auch alle Inhalte der Statusmeldungen sehen kann, weil viele Leute ihre Texte auf die Bilder beziehen. Und an dritter Stelle kommt dann die VZ-Netzwerke App. Sprich: Umständlich, umständlich, umständlich.
Jetzt könnte man meinen, dass doch jemand eine App entwickeln kann, die alle Netze abdeckt. Theoretisch wäre das auch möglich, nur sind Facebook, Myspace und Twitter die einzigen, die dafür überhaupt eine API, also eine Schnittstelle, zur Verfügung stellen. Lokalisten, wer-kennt-wen und die VZ Netze kochen schön ihr eigenes Süppchen und bringen, wenn man Glück hat, eine App für das eigene Handy raus. Mit Sicherheit gibt es eine Iphone App, etwas spärlicher sieht es dann schon für Android aus und wenn man bei Nokia und Co. angekommen ist, dann ist es fast ganz vorbei. Man bemerkt aber, dass wir uns an dieser Stelle im Umbruch befinden. Ich hoffe, dass mehr Leute diesen eindeutigen Trend der Zeit erkennen.
Auf dem PC an sich sieht es da leider auch noch mau aus. Es gibt zwar einige Tools, die aber eben wieder nur mit Facebook und Twitter arbeiten. Einzig Twitter wird zur Zeit sehr gut durch externe Programme unterstützt. Für andere Netze sucht man aber vergebens nach Lösungen. Eine Desktop-Applikation würde die Bedienung aber nochmal um einiges erleichtern, fallen doch die Ladezeiten für Javascripte und den allgemeinen Seitencode weg. Aber auch hier muss sich zeigen, wie sich die Lage entwickeln wird.
Zum Glück sind Facebook und Twitter so fair und schicken bei jeder neuen Nachricht oder neuen Kommentaren eine Email, die nicht nur über die Nachricht informiert, sondern auch die Nachricht selbst enthält. Die Lokalisten und VZ Leute sind da leider zu fein und wollen unbedingt an die Werbeeinnahmen, also wird nur eine Mail geschickt: “Sie haben eine neue Nachricht” und von wem diese stammt. Und so heißt es jedes mal “Einloggen und nachschauen”. Totaler Quatsch. Warum kann man an der Stelle nicht auch einfach mal wieder kopieren?
Fazit
Die Welt der sozialen Netze ist sehr durchwachsen. Man kann ganz klar erkennen, wer mit der Zeit geht und wer auf altbewährtem beharrt. Und so wird bald der Zeitpunkt kommen, wo ich mich von Myspace und den Lokalisten verabschieden werde. Und irgendwann folgt auch das VZ Netz. Hoffentlich. Ein bisschen Bauchschmerzen bereitet mir allerdings noch die Finanzierung all dieser Dienste. Denn derzeit erwirtschaftet keines der Netzwerke (viel) Geld, sie kosten nur. Und nun stellt sich die berechtigte Frage, wann man für seine Accounts zahlen muss. Es ist derzeit noch schwer für mich zu sagen, wie ich an diesem Punkt reagieren werde. Aber zur Zeit würde ich mich wahrscheinlich eher wieder abmelden, wenn auch nicht ganz schmerzlos. Aber vielleicht haben wir Glück und es wird eine Form der Monetarisierung gefunden, die allen Anforderungen gerecht wird…
Doch, wie seht ihr die Sache? Wie seid ihr in welchen Netzen unterwegs und vor allem: Wo seht ihr den Nutzen? Ich freue mich auf Beiträge in den Kommentaren!