Wer mich kennt, weiß, dass ich fanatischer World of Warcraft Gegner bin. Und das nicht, weil ich von Warcraft nichts halte, sondern weil das Spiel einfach nur ein Süchtigmacher ist. Ich kenne mehrere Leute, die ihr Leben diesem Spiel widmen und so langsam aber sicher den Weg in die soziale Isolation finden. Und wie das bei Süchtigen so ist: Es wird bestritten. Und wer mich noch besser kennt, weiß, dass ich leidenschaftlich gerne diskutiere. Sicher nicht immer mit Recht, aber doch immer mit Herz und Seele. Da die Diskussionen mit den Abhängigen mittlerweile immer das gleiche Schema haben, wollte ich selbst mal einen Blick reinwerfen und schauen, was denn nun so faszinierend an diesen Spielen sein soll.
Mein Metier sind ja doch eher Ego-Shooter und Rennsimulationen, aber bei gewissen Games mach ich auch mal eine Ausnahme. Eine solche Ausnahmen und mein derzeitiger Favorit ist da noch immer Fallout 3 (leider ein reines Singleplayer Spiel). Als eines der wenigen Spiele fesselt es mich seit der ersten Stunde, bietet Action, Taktik und – ganz wichtig – eine super Story, die zudem noch grandios erzählt wird. Kein stundenlanges Texte-lesen und keine sich ähnelnden NPCs, sondern echte Charaktere und komplett synchronisierte Dialoge. Hinzu kommt die sehr gelungene Mischung aus Rundenstrategie und Echtzeit. Alles in allem eine sehr gute Kombination, die jeden Euro wert ist. Ich werde es daher als kleine Referenz für einen Vergleich hernehmen.

Aber gut, ich schweife ab. Für meinen Test der online RPGs hatte ich mir Runes of Magic ausgesucht, weil es kostenlos und trotzdem brandaktuell ist. Mein Weg führte mich also am Samstag auf die ROM-Website und ich schnappte mir den Game-Downloader. Der ist nur einen Megabyte groß und lädt nach dem Start die kompletten Installationsdateien. Scheinbar wird hierfür sowas ähnliches wie Bittorrent verwendet, da neben dem Download auch ge-uploadet wurde. Das Spiel umfasst so ca. 5,6 GB an Daten, die der Downloader aus dem Netz zieht. Da ich mittlerweile nur noch über eine DSL 2500 Leitung verfüge, zog sich das natürlich hin. Also verschob ich den Einstieg auf Sonntag. Nach der erfolgreichen Installation führte der Launcher noch ein paar kleine Patches aus und schon ging es los. Naja, vielmehr gesagt befand ich mich dann im Hauptmenü und nachdem ich meine Logindaten eingegeben hatte, ging es ans Charakter-kreieren. Und bereits hier fällt einem der erste gravierende Unterschied zu Fallout 3 auf: Es ist staubtrocken. Man wird nämlich einfach ins kalte Wasser geworfen. Bei Fallout wird selbst die Charakter-Erstellung in die Story eingebunden. Auch das Tutorial ist Teil der Story und und ist nicht einfach vom Typ “Mach mal schnell die 10 Schnecken tot, dann weißt, wie es geht”. Aber gut, ich wollte tapfer sein, also durch da…
Endlich gelangte ich nun ins Spiel. Grafisch völlig in Ordnung präsentierte sich mir mein Charakter. Ich war bereits mit mehreren Items sowie einem Pferd ausgestattet. Warum ich da war und wo z.B. das Pferd herkommt? Keine Ahnung. Gesagt wird es einem jedenfalls nicht. Ich machte mich direkt ins erste Dorf auf und wurde gleich von den gefürchteten Quests begrüßt: “Ich brauche 20 Steine”, “Töte 10 Wölfe und bring mir ihre Schwänze”, “Frag die Priesterin, warum sie sich nicht mehr bei mir meldet” (sie befindet sich nur ein paar Schritte weiter). So gesehen sind es alles banale und völlig belanglose Sachen. Es ergibt einfach keinen Sinn und meiner Meinung nach kann da auch nicht wirklich Spielspass aufkommen. Denn es geht einzig und allein ums Leveln. Und das ist genauso interessant wie Briefmarken sammeln. Man will immer mehr haben und kann nicht aufhören, aber so richtig erlebt hat man nichts. Wenn ich nun mal den direkten Vergleich zu Fallout 3 ziehe: Es gibt da auch eine Quest, in der ich eine bestimmte Käfersorte töten muss. Aber ich vestehe warum. Da gehts nämlich darum, dass jemand ein Überlebenshandbuch für die Kontaminierte Zone schreiben will. Und das wird auch nicht mit einem Satz kurz dahingeworfen, sondern man redet darüber. Mag sein, dass ich da kleinlich bin, aber für mich ist das ein enormer Unterschied.

Die Kämpfe in Runes of Magic laufen komplett in Echtzeit ab. Man markiert einen Gegner und schon wird dieser automatisch angegriffen. Man kann aber natürlich eingreifen und die Angriffsmodi bzw. auch die Waffe wechseln. Das Vorgehen ist ganz ok, wobei es etwas irritierend ist, über 30 Sekunden auf einen Wolf einschlagen zu müssen. Ja, ich weiß, Egoshooter sind in der Richtung auch nicht immer sehr realistisch, aber zumindest annähernd. Im Gegensatz dazu kann man aber bei Runes of Magic keine einzelnen Körperzonen anvisieren, um somit vielleicht mehr Schaden zu verursachen. Anders bei Fallout 3: hier geht das dann sogar soweit, dass man dem Gegner die Waffe aus der Hand schießen kann oder ihn an der Fortbewegung hindern kann, indem man ihm in die Beine schießt. Meiner Meinung nach bietet das viel mehr taktische Freiheit und es geht nicht nur um die eigenen Charakter-Eigenschaften wie Stärke, Ausdauer usw. Hinzu kommt, dass man bei Fallout in den Rundenstrategie-Modus wechseln kann, in dem man beliebig lange die eigene Taktik durchgehen kann. Mir ist natürlich klar, dass man sowas nicht in ein Echtzeit-Multiplayer-Game stecken kann, aber es ist zumindest ein Ansatz. Hinzu kommt, dass mir die Waffen in Fallout 3 besser gefallen, da es größtenteils Schusswaffen sind. Anders als in Runes of Magic liegt der Fokus hier ganz klar auf auf Fernkampf und nicht auf Nahkampf. Aber gut, das fällt unter persönlichen Geschmack.
Das Inventar-System ist logisch aufgebaut und ich finde da keine Kritikpunkte. Die Ausstattung des Chars ist ein wenig unübersichtlich, zumal er 2 Waffen gleichzeitig tragen kann. Hinzu kommt noch die Möglichkeit, bestimmte Gegenstände mit Runen aufwerten zu können, die dann zu neuen bzw. verbesserten Fähigkeiten führen. Ein sehr interessantes Konzept, allerdings hatte ich während des einen Tages schon zu viele Runen und verlor langsam den Überblick. Ein Feature allerdings fehlt mir hier ein bisschen: In Fallout 3 kann man 2 gleiche Waffen zu einer zusammenbauen, welche dann einen besseren Zustand hat. Sprich, man repariert die eine mit den Teilen der anderen.

Der Hauptkritikpunkt ist für mich aber noch immer das Erzählen der Story. Und das passiert bei Runes of Magic leider nur in Textform, was meiner Meinung nach auf Dauer einfach nur angstrengend und ziemlich langweilig ist. In diesem Falle kann ich nämlich ebenso gut auf ein Buch zurückgreifen. Anders in Fallout. Man erlebt komplett synchronisierte (und lippensynchrone) Dialoge, und das immer im Kamera-Modus. Es fühlt sich einfach viel echter an.
Ein dicker Pluspunkt für Runes of Magic ist allerdings, dass es kostenlos ist. Das war auch der Grund, warum ich dieses Spiel und nicht World of Warcraft getestet habe, obwohl man das auch kostenlos testen kann. Denn es bestand ja die Gefahr, dass es mir doch gefällt und ich zum Schluss auch einer der Süchtigen wäre. Dann wäre es wohl eng für den Geldbeutel geworden
Fazit:
Meine Welt ist es nicht. Es liegt an vielen Faktoren, wobei der Hauptgrund eindeutig der Spielspass ist. Und der kommt bei mir nur bei einer guten Geschichte auf. Technisch kann man nicht meckern, es ist ein ausgereiftes Spiel was sich auch grafisch sehen lassen kann. Hinzu kommt, dass meine Spielzeiten sehr begrenzt sind und ich derzeit nur noch – wenn überhaupt – Sonntags dazu komme, die Xbox bzw. den Zocker-Rechner anzuwerfen. Und da ist mir stupides leveln einfach zu eintönig.